Sexismus gegen Rechts

Jul 10, 2009   //   by n1Ls   //   Entertainment  //  3 Comments

Ab heute steht das vierte Album der Kannibalen in Zivil, Künstler im Zuchthaus, Kriegsverbrecher in Zwangsjacken, Klosterschüler im Zölibat oder auch Kreuzritter in Zentralasien, in den Regalen. Es finden sich etliche Texte mit sehr viel Humor, Ironie, Sarkasmus und amüsanten Zweideutigkeiten. Die Melodien haben zudem teilweise einen großen Ohrwurmfaktor. Genau aus diesen Gründen mag ich diese Band einfach. Bei so viel Rock und Metal den ich größtenteils höre, muss halt zwischendurch auch mal ein anderes Genre her. Abwechslung muss sein.
Wie schon erwähnt sind die Lyriks teils so lustig, dass ich beim ersten Hören einiger Tracks schon mal so heftig lachen musste, dass ich die nächsten Zeilen akustisch nicht verstanden habe. Den kontroversen Titel des Albums habe ich obendrein als Headline benutzt.

Nachdem die insgesamt 18 Songs zu Ende waren, stellte ich fest, dass die Lyriks noch radikaler, kontroverser und vor allem noch politischer geworden sind. Letzteres wird vor allem bei “Straight outta Kärnten” deutlich. Ein Song der mit den Geräuschen eines Autounfalls beginnt und bei dem es im Refrain “Jörgi Jörgi Jöööörg, I miss you, oh I miss you, Jööörg” heißt, welches zudem mit traurigem weinen unterstrichen wird. Ja richtig, in dem Song geht es um Jörg Haider…

Ebenfalls sehr politisch ist der Track “Selbstjustiz”. Eines der Lieder, die mir bisher auch am besten gefallen haben. Allerdings nicht nur textlich, sondern ausnahmsweise auch musikalisch.
“Diese Welt ist voll mit Verrückten, ihr dachtet das es keine Helden mehr gibt. KIZ tragen Richterperrücken, wir fahren durch dein’ Block und üben Selbstjustiz.”
Auch so ziemlich der sozialkritischste Titel wenn ihr mich fragt. Themen die sich hier wiederfinden, sind unter anderem die Wirtschaftskrise, der 11. September, geldgeile Banker, Prostituierte die nicht auf den Strich gehen sollen, da Hartz 4 reichen muss, Kapitalismus, verprügelte Frauen, Kaiser Wilhelm, Politiker als Mafiapaten, Bullen die welche geworden sind, weil sie zu faul waren Verbrecher zu werden, Obama, Geld, Ackermann und vieles mehr…

Ein gutes Beispiel für den Humor, den die Jungs so in ihren Texten verarbeiten ist sicherlich “Hurensohn Episode 1″. Ich glaube bisher der Track, bei dem ich am meisten lachen musste. Er beginnt mit einem kurzen Ausschnitt des Films “Human Traffic” soweit ich weiß. Es unterhält sich eine offensichtliche Hure mit ihrem Sohn, der grade zu Besuch ist. Die Mutter erklärt ihm, dass sie noch einen Kunden oben hat, was aber lediglich fünf Minuten dauern wird. Anschließend sagt er:
“Meine Mum schafft so einige Männer am Tag. Manche verknallen sich in sie und schicken ihr Pralinen. Andere werden aggressiv. Früher war ich immer in der Nähe, falls die Sache mal aus dem Ruder lief. Ich wär’ sofort dagewesen, versteht ihr? Aber ich hab das nicht mehr ausgehalten. Ich musste weg. Manchmal muss ich mich zusammenreißen, um nicht nach Oben zu rennen und dem Typen der gerade bei ihr ist auf die Fresse zu hauen. Hab’ ich auch noch nie gemacht.”
Für einen Track der mit Hurensohn betitelt wird, hätte man sich kein besseres Intro raussuchen können. Es vermittelt zu dem eine sehr beklemmende Stimmung, welche sich auch im Rest des Songs teilweise widerspiegelt. Im Part von Tarek hingegen geht es eher lustig zu:
“Du kamst nachts in ihr Zimmer, wegen der ekligen Geräusche, sahst sie bei der Arbeit mit den Vätern deiner Freunde. Sie warf mit Gleitcreme und schrie: “Du Spanner, hau ab!” Deine Mama war nackt, Jabba the Hutt.”

Wenn man also keine Abneigung gegen metaphernreiche Wortspiele und Vergleiche hat und einen der Humor nicht vollkommen im Stich gelassen hat, dann kann man sich den ein oder anderen Song aus diesem Album mit ruhigem Gewissen anhören. Ist man zudem Fan von K.I.Z. führt eigentlich sowieso kein Weg dran vorbei. Ich kann nur noch einmal betonen, dass es sich nicht um ein typisches Hip-Hop Album handelt.
Abschließend noch ein schönes Zitat von Tarek:
“Wir haben uns ein bisschen an der Bild-Zeitung orientiert. Die ist auf der einen Seite ja auch sehr plakativ und holzhammermäßig, andererseits aber auch wunderschön bunt und mit nackten Titten.”


3 Comments

  • Wenn du diese “quasie Rezession” auf Amazon.de stellst wir das Album ein Renner. Mich hast du auf jedenfall überzeugt.

  • Ich wollte auch eigentlich nur ein paar Zeilen dazu verlieren. Hätte nicht gedacht, dass es so viel wird, lief einfach… Als Rezession eher unbrauchbar, da ich “nur” auf drei Tracks eingehe ^^

    »Ich schicke dich auf Dienstreise, doch das einzige was dabei raus springt ist deine Kniescheibe«

    :D

  • Hier ist eine sehr gelungene Rezession:
    http://www.jungewelt.de/2009/07-18/020.php

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  • 22.05.2011 Kein Beitrag :(

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