Liebe ist für alle da!
von n1Ls am Freitag, 16. Oktober 2009 um 10:37 Uhr, abgelegt in Entertainment
Lange haben wir warten müssen, heute ist es endlich soweit. Das neue Rammstein Album Liebe Ist für Alle Da steht in den Regalen wie man so schön sagt und als großer Fan dieser Band habe ich mir es selbstverständlich schon komplett gefahren und werde mich nun das erste Mal an einer Rezension versuchen. Dafür habe ich mir überlegt, dass ich einfach auf jeden Song einzeln eingehen werde und abschließend ein kleines Resümee präsentieren werde.
1. Rammlied – Man hätte als Opener sicherlich kein besseres Stück wählen können. Das gilt für mich nicht nur im Bezug auf das Album, sondern hoffentlich auch für die anstehende Tour. Wer wartet mit Besonnenheit, der wird belohnt zur rechten Zeit. Nun das Warten hat ein Ende, leiht euer Ohr einer Legende. Bis diese Zeilen zu hören sind vergeht eine knappe, vergleichsweise ruhige und doch sehr melodiöse Minute und der Hörer weiß im ersten Moment noch gar nicht was gleich auf ihn zukommt. RAMMSTEIN! Mit einer kurzen Pause zwischen Ramm und Stein wird hier mit wirklich aller Gewalt der Song eingeleitet. Die Folgenden Passagen, mal abgesehen vom Refrain, werden zusätzlich noch von einer Art Chor begleitet, beziehungsweise ein Teil des Textes wird von ihm wiederholt. Das verleiht dem Ganzen einen Gewissen Nachdruck und sorgt ebenfalls dafür, dass es sehr eingängig ist. Ein Weg, ein Ziel, ein Motiv, (Rammstein), eine Richtung, ein Gefühl, aus Fleisch und Blut – ein Kollektiv. Die Jungs wissen wo die Reise hingeht. Für mich ist Rammlied eines der besten Lieder auf dem Album.
2. Ich Tu dir Weh – Einer der Tracks, die ich unterwegs gehört habe und ich hätte ja zu gerne meinen eigenen verstörten Blick gesehen, während ich von der Lyrik doch fast schon leicht angewidert war. Der Refrain lässt mit Ich tu’ dir weh, tut mir nicht Leid. Das tut dir gut, hört wie es schreit noch nicht zwingend erahnen, was in der zweiten Strophe gesungen wird. Bei dir hab’ ich die Wahl der Qual, Stacheldraht im Harnkanal. Leg’ dein Fleisch in Salz und Eiter. Erst stirbst du doch dann lebst du weiter. Bisse, Tritte, harte Schläge – Nageln, Zangen, Stumpfe Säge. Wünsch’ dir was ich sag’ nicht nein und führ’ dir Nagetiere ein. Selbstverständlich klingt das im ersten Moment etwas abartig, aber geht man von der eigentlichen Intention aus, die wohl hinter dem Song steckt, passt es eigentlich wieder. Was mir hierbei besonders gut gefällt, ist eigentlich weniger der Text, sondern die Art und Weise mit der der Refrain gesungen wird. Nicht nur ein Track für Sadisten.
3. Waidmanns Heil – Eröffnet wird dieser Song von Jagdhornbläsern, passt ja auch prima und klingt mal etwas anders. Andere Leute würden vielleicht sogar soweit gehen zu sagen, es hört sich an wie der Beginn der Fernsehserie Heidi. Was folgt ist ein sehr schnelles und hartes Intro. Spätestens nach dem ersten Part Ich bin in Hitze schon seit Tagen, so werd’ ich mir ein Kahlwild jagen. Und bis zum Morgen sitz’ ich an, damit ich Plattschuss geben kann dürfte klar sein, dass sich dieses Lied tatsächlich um die Jagd dreht. Auf dem Lande auf dem Meer lauert das Verderben – Die Kreatur muss sterben lautet es im hier Refrain und immer wieder ist Waidmanns Heil zu hören. Ich persönlich bekomme da ja irgendwie schon Bock mit dem Gewehr im Wald zu verschwinden, um mir mein Abendessen klarzumachen. Keine Frage, was ich währenddessen hören würde.
4. Haifisch – Ein Song in dem Flake mit seinem Keyboard doch sehr stark dominiert, was mir aber ehrlich gesagt sehr gut gefällt. Inhaltlich erinnert mich das an die Single Los aus dem Album Reise, Reise. Wir halten das Tempo. Wir halten unser Wort. Wenn einer nicht mithält, dann halten wir sofort. Wir halten die Augen offen, wir halten uns den Arm. Sechs Herzen die brennen – das Feuer hält euch warm. Der Gesamteindruck, welcher mir beim ersten Mal hören vermittelt wurde, war fast schon zu ruhig, aber achtet man auf die poetischen Texte von Till, so wird einem schnell bewusst, dass hier eigentlich alles seine Richtigkeit hat. Und der Haifisch der hat Tränen und die laufen vom Gesicht. Doch der Haifisch lebt im Wasser, so die Tränen sieht man nicht. In der Tiefe ist es einsam und so manche Zähre fließt und so kommt es, dass das Wasser in den Meeren salzig ist.
5. B******** – Dieses Lied rockt gute vier Minuten komplett durch. Von den Gitarrenriffs her würde ich behaupten, dass es eines der härtesten Lieder ist, was sich auch im brachialen Refrain widerspiegelt auf den fast schon mit Spannung hingesungen wird. Hab’ keine Angst, ich bin doch hier. Ich bin ja, bin ganz nah bei dir. Stimmen flüstern hinter dem Gesicht, die da sagen: Tu’ das nicht, lass das sein. Fass’ das nicht an, sag’ einfach nein. Mehr kann und muss man dazu eigentlich nicht sagen.
6. Frühling in Paris – Schon nach den ersten drei Sekunden befürchtete ich, dass es hier die nächsten Minuten eher ruhig zu gehen wird und so war es dann auch. Mein zweiter Gedanke war, ob Till hier tatsächlich auf Französisch singt und ja, das tut er. Mag ja sein, dass es zum Inhalt passt, aber gut gefallen tut mir das eher weniger. Man könnte den Titel als eine ruhige Rockballade bezeichnen.
Ich hätte mir vielmehr Auf Ketten Nach Paris, anstatt Frühling in Paris gewünscht, aber man kann ja nicht alles haben.
7. Wiener Blut – Auch dieses Lied beginnt sehr ruhig, es ist jedoch eine ganz andere Art der Ruhe mit der es im Übrigen auch recht schnell wieder vorbei ist. Komm mit mir, komm auf mein Schloss. Da wartet Spaß im Tiefgeschoss. Leise, leise woll’n wir sein, den Augenblick von Zeit befreien. Ja, das Paradies liegt unterm Haus, die Tür fällt zu, das Licht geht aus. Nach dem hören dieser Zeilen schaute ich nochmal schnell auf den Namen des Liedes und für einen Augenblick wurde mir ganz anders. Wien liegt ja bekanntlich in Österreich und noch bevor die Frage Seid ihr soweit? gestellt wurde und darauf mit Willkommen. In der Dunkelheit. geantwortet wurde, hatte ich den Namen Josef Fritzl schon längst im Kopf. Sollte dieser Psychopath tatsächlich lyrisch verarbeitet worden sein, wie einst Armin Meiwes im Song Mein Teil? Ja! Keiner kann hier unten stören. Niemand, niemand darf uns hören. Nein, man wird uns nicht entdecken. Wir lassen uns das Leben schmecken. Und bist du manchmal auch allein, ich pflanze dir ein Schwesterlein. Die Haut so jung, das Fleisch so fest, unter dem Haus ein Liebesnest. Sie haben es tatsächlich gemacht und ich bin mir ziemlich sicher, dass dieses Lied noch einige Diskussionen auslösen wird. Trotz der starken Kontroversen, oder vielleicht gerade deshalb, für mich einer der besten Songs auf dem Album. Willkommen in der Wirklichkeit.
8. Pussy – Die erste Single aus dem neuen Album und dann ebenfalls direkt provokativ, allerdings auf eine andere Art und Weise. Zu erst ein mal sei erwähnt, dass das Video seine Premiere nicht auf einem Musiksender, sondern auf einer Pornoseite feierte. Auf MTV oder VIVA wird die Single auch so niemals laufen. Ist ja auch nicht ganz jugendfrei, was man da so zu sehen bekommt. Man könnte das Video durchaus als Musikporno bezeichnen. Doch nicht nur deswegen bleibt einem dieser Titel im Kopf. Musikalisch war ich bereits ab den ersten Sekunden durch die eingängige Schlagzeugmelodie gefesselt. Nachdem anschließend auch Gitarre und Keyboard einsetzen stand fest: Rammstein sind zurück! Mercedes Benz und Autobahn, alleine in das Ausland fahren, Reise, Reise Fahrvergnügen. Ich will nur spaß, mich nich verlieben. Da musste ich direkt unwillkürlich an meinen ersten Hollandaufenthalt denken, als ich alleine im Mercedes (Firmenwagen) auf der Autobahn Richtung Niederlande gefahren bin. Verlieben wollte ich mich tatsächlich nicht, aber ich war auch nicht da um Spaß zu haben, sondern um zu arbeiten ;) Das man sich textlich übrigens auf deutschem und englischem Terain bewegt, versprüht zusätzlich nochmal geballte Kraft. Schönes Fräulein, Lust auf mehr? Blitzkrieg mit dem Fleischgewehr! Schnaps im Kopf du holde Braut, steck Bratwurst in dein Sauerkraut. Im Video schwingt Till dann später auch noch die schwarz-rot-goldene Flagge. Wunderschön vollgestopft mit allerlei deutschen Klischees.
9. Liebe Ist Für Alle Da -Verantwortlich für den Titel des Albums, ist dieser Song Rammstein im ganz klassischen Sinne. Beginnend mit knallenden Drums, gefolgt von schnellem Riffing und der super Lyrik. Warmes Wasser, schöne Leiber, wie sie glänzen, in der Sonne. Ich schleich’ mich an und rede fein. Wer ficken will muss freundlich sein. Ein Track, der einem definitiv Kopfkino bescheren kann.
10. Mehr – Beschäftigt sich inhaltlich mit absoluter Gier, unabhängig davon, ob man schon viel hat oder nicht. Ich brauche vieles und viel davon und nur für mich, nur für mich. Von allem was man haben will brauch’ ich zehn mal soviel.Ich werde nie satt. Es ist besser wenn man mehr hat! Komischerweise gefällt mir in dem Track der Refrain überhaupt nicht. Man hat das Gefühl, dass es nicht so recht zum Rest des Songs passt, welcher doch eher melodiös daher kommt und im Kehrreim ist dann komplett Achterbahn. Ein relativ heftiger Kontrast, vielleicht liegt es daran. Thematisch erinnert mich das übrigens ein wenig an Zerstören aus dem Album Rosenrot.
11. Roter Sand – Der letzte und wahrscheinlich auch ruhigste Song des ganzen Albums. Eine Ballade die mit einem lässigen Pfeifen beginnt und anfangs nur von einer Gitarre begleitet wird. Bis auf die coole Melodie ist mir das Lied aber leider zu ruhig geworden. Kann man mal hören, aber nichts wirklich Überragendes. Schade eigentlich. Für den Abschluss hätte ich mir eher etwas gewünscht, bei dem es nochmal richtig knallt.
Zusammenfassend würde ich sagen, dass sich Rammstein in jedem Fall selbst treu geblieben sind. Auch mit dem neuen Album werden wieder Tabus gebrochen, was hingegen nicht verwundert und ich kann dann einige Leute nicht verstehen, die sich beispielsweise über das Video zu Pussy aufregen und der Band vorwerfen, dass sie nur billig provozieren wollen und die vorherigen Stücke viel besser gewesen wären. Aber genau das ist Rammstein.
Links zum Thema:
» Sehr empfehlenswertes Interview in der FAZ
» Offizielle Homepage der Band
» Artikel zum Album in der Wikipedia
7 Kommentare
1 Trackback oder Pingback für diesen Eintrag
-
Rammstein – Liebe ist für alle da
Montag, 26. Oktober 2009 um 17:07[...] Rezensionen gibt es auf track4-info.de, n1ls.de und [...]
Freitag, 16. Oktober 2009 um 14:50
Herrvorragende Rezension. Ich hab mir das Album auch direkt nach der Arbeit reingezogen und ich muss sagen, dass wird ein geiles Konzert. Was mich noch freuen würde, wäre, wenn du die Bonus Tracks mit einbeziehen würdest, die auf der Special Edition des Albums sind. Die sind nämlich nicht weniger spektakulär. Ich hoffe, die werden auch beim Probekonzert am 31.10. gespielt.
Freitag, 16. Oktober 2009 um 21:15
Über das Rezensieren der Bonus Tracks hatte ich auch nachgedacht, war aber nach dem 11. Song froh, dass das Album nicht noch mehr Titel hat ;)
Eventuell hole ich das nach…
Herzlichen Glückwunsch nochmal zum Probekonzert, du wirst berichten müssen!
Samstag, 17. Oktober 2009 um 15:53
Ich werd gern berichten, vielleicht ja als Gastblogger. Man wird sehen.
Samstag, 28. November 2009 um 16:51
Waidmanns Heil handelt in keinster Weise von der normalen Jagd. Vielmehr sind das Metaphern, die beschreiben wie der Protagonist Sexualpartner erobert.
Freitag, 26. Februar 2010 um 09:51
was ist mit den Stücken auf dem Bonus CD? Die beiden Versionen von “Roter Sand” sind sicherlich nur Füllmaterial, wobei der Text von “Liese” nicht zu verachten ist. Aber mein favorit auf dem gesmatwerk ist “Halt”. Kein Psychiater könnte besser erklären, was in einem Amokläufer vorgeht.
Freitag, 26. Februar 2010 um 11:26
Ja, wurde ich auch schon des öfteren drauf angesprochen, aber mir fehlte irgendwie der Trieb darüber zu schreiben.
Mit Halt sehe ich es genauso, eigentlich bester Track auf der Bonus-CD…