In Frankfurt sind die Würstchen klein…
von n1Ls am Sonntag, 13. Dezember 2009 um 18:03 Uhr, abgelegt in Entertainment, Mein Leben
Nachdem sich in letzter Zeit Artikel meinerseits über Rammstein stark frequentierten, wird es demnächst vermutlich wieder etwas ruhiger. Allerdings werde ich vor besagter Ruhe nochmal versuchen meine Eindrücke in einem Konzertbericht zu verfassen. Für diejenigen, die die Show vielleicht noch vor sich haben, sollten eventuell nicht weiterlesen, da ansonsten vermutlich die ganze Spannung flöten geht.
Das erste Mal an der Festhalle in Frankfurt waren wir nach einer etwas weniger als zweistündigen Fahrt und kurzer Parkplatzsuche schon gegen 15:00 Uhr. Hier versammelten sich bereits erste Fans, vielleicht so an die 100. Einlass war allerdings erst um 19:00 Uhr und da wir kein all zu großes Interesse daran hatten vier Stunden in der Kälte zu stehen, haben wir erst nochmal eine kleine Runde durch Frankfurt gedreht und ein wenig gegessen. Anschließend haben wir unsere Jacken im Auto abgelegt (was sich als sehr gute Entscheidung herausstellen sollte), die Karten geholt und standen dann wieder gegen 16:45 Uhr vor der Frankfurter Festhalle. Es ließ sich relativ gut aushalten. Ich hatte mir es ehrlich gesagt kälter vorgestellt. Der Einlass begann dann freundlicherweise sogar fünf Minuten früher als geplant.
Drinnen angekommen sicherten wir uns Plätze in der gefühlten 7. Reihe – Stehplatz im Innenraum. Wo sonst. Dann hieß es nochmal eine Stunde warten, bis die Vorband Combichrist der Menge mit Songs wie Fuck That Shit, Electrohead oder What The Fuck Is Wrong With You gute 45 Minuten lang einheizte. Erneutes warten für weitere 15 Minuten. Die Bühne wurde nochmal ein wenig umgebaut und so ziemlich pünktlich um 21:00 Uhr eröffnete Rammstein ihr fulminantes Konzert mit dem Opener Rammlied. Bereits beim ersten hören dieses Songs vor einigen Wochen war mir klar, dass es keinen besseren Track geben kann um die Show zu eröffnen und so sollte es dann ja auch sein.
Da ich nicht auf jedes Lied einzeln eingehen will, werde ich mal versuchen meine persönlichen Highlights hervorzuheben, was mir angesichts der Tatsache, dass einfach alles genial war sehr schwer fällt. Vielleicht erstmal die Setlist aus Frankfurt wie ich sie in Erinnerung habe:
- Rammlied
- B********
- Waidmanns Heil
- Keine Lust
- Feuer Frei
- Weißes Fleisch
- Wiener Blut
- Frühling In Paris
- Ich Tu dir Weh
- Liebe ist Für Alle Da
- Links 2 3 4
- Haifisch
- Du Hast
- Pussy
- Benzin
- Sonne
- Ich Will
- Engel
Es wurden bis auf zwei Lieder (Roter Sand & Mehr) alle Songs des neuen Albums gespielt, zumindest wenn man von der Bonus-CD absieht.
Die Festhalle Frankfurt hat nach meinen Kenntnissen übrigens ein Fassungsvermögen von ca. 13.000 Plätzen und da das Konzert restlos ausgebucht war, stelle man sich nun mal bitte eine entsprechende, total euphorische Menschenmenge vor, die gleichzeitig schon beim ersten Song RAMM-STEIN singt. Legendär!
Spätestens bei Waidmanns Heil ging es in meinen Reihen so dermaßen vorwärts, dass ich die Leute mit denen ich da war schnell aus den Augen verlor. Bis zum Ende blieben eigentlich nur Arne, Daume (Danke fürs Fahren) und der Schienenfahrer in meiner Nähe.
Die explosive Bühnenshow trug leider nicht zur Abkühlung bei, sondern bewirkte logischerweise das Gegenteil und so fand ich es schon relativ ironisch bei Keine Lust im Refrain mir ist kalt mitzugröhlen.
Das Bühnenbild zu Wiener Blut war eines der Besten, obwohl selbstverständlich alle top waren. Man stelle sich Babypuppen vor, die an Seilen befestigt von der Bühne gelassen wurden. Deren Köpfe waren mit grünen Lasern versehen, was eine ausgesprochen coole Light-Show ergab. Gegen Ende sind diese dann explodiert. Warum nicht.
Frühling in Paris war eigentlich der einzige Song, bei dem ich mal für wenigen Minuten zur Ruhe kam. Sehr schön mit Akkustik-Gitarre angestimmt und selbst im Refrain hatte ich das Gefühl, dass die komplette Halle die französischen Textzeilen mitsingt, mir inklusive natürlich. Gänsehaut pur.
Gespannt waren wir auch, wie wohl der mittlerweile zensierte Song Ich Tu dir Weh ablaufen würde. Rein textlich muss ich sagen sehr gelungen, einige Zeilen wurden von Till zwar nur angedeutet, waren aber durch das lautstarke Publikum dennoch sehr gut hörbar. Ein Fan schrie hinter mir: “Scheiss auf Zensursula!” Da konnte auch ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.
Eine besagte Passage wurde sehr schön mit neuem Text belegt:
In Frankfurt sind die Würstchen klein, sie könnten etwas größter sein. Diese Stadt so schön am Main, ich richt’ mir hier ein Konto ein. (…) Wünscht euch was ich sag’ nicht nein – jetzt führen wir das Würstchen ein.
Zeitgleich wurden von Herrn Lindemann Würstchen (vermutlich Frankfurter) in die Menge geworfen. Eines hatte mich nur knapp verfehlt. Schade. Hätte ich gerne dran genascht.
Als wäre das nicht schon cool genug gewesen, wurde während des Songs Flake in eine Art Badewanne aus Metall geworfen und von Till aus gefühlten fünf Metern Höhe aus einer Milchkanne mit funkelndem und brennendem Zeug übergossen. Was auch immer da drinne war. Hat auf jeden Fall gut geknallt. Flake kam anschließend in einem Glitzeranzug empor gestiegen und legte erstmal eine coole Tanzeinlage hin.
Bei Haifisch gab es dann Stagediving der etwas anderen Art, wie man es bei Rammstein schon auf anderen Konzerten gesehen hat. Hierfür hat sich Flake in ein Schlauchboot gesetzt und ist über die Menge gefahren (auch über mich), beziehungsweise hat sich von den Händen tragen lassen. Es dauerte eine Weile, bis er wieder auf der Bühne ankam…
Besonders hervorzuheben ist auf jeden Fall noch die coole Trockenschaumkanone, welche im Song Pussy zum Einsatz kam und die ersten Reihen (uns inklusive) gut bediente.
Im Song zu Benzin holte Till dann eine Zapfsäule auf die Bühne, bei der das Ende natürlich entflammbar war. Ein Crewmitglied mimte einen Irren Fan, der auf der Bühne in Brand gesetzt wurde. Das wusste man anfangs natürlich nicht, wurde aber sehr gut inszeniert.
Beim vorletzten Song hatte ich schon kaum noch die Kraft das obligatorische wir hören dich, wir sehen dich, wir fühlen dich mit zu singen bzw. zu schreien. Aber das musste einfach noch drinne sein. Meiner Meinung nach auch eines der besten Lieder, die man live überhaupt spielen kann.
Beendet wurde das Ganze mit dem Song Engel vom Album Sehnsucht. Hierfür hatte Till Engelsflügel aus Stahl auf dem Rücken, welche selbstverständlich mit entsprechender Pyro-Technik ausgestattet waren. Für ein Outro eine sehr gute Wahl. Ich kam mir ein bisschen vor wie 2005 in Frankreich im Amphitheater von Nîmes.
Ich bin jetzt schon oft gefragt worden, wie das Konzert denn war. Nun, zum einen muss ich sagen, dass es für Leute die Rammstein nicht mögen, immer schwer ist denen klar zumachen, warum man sich das jetzt angeschaut hat oder was an der Musik denn so toll ist. Aber selbst wenn mich ein Fan fragt, fehlen mir einfach die Worte. Bisher habe ich es meistens mit laut, heiß & geil beschrieben. Das war es ja auch.
Für eine Augenblick dachte ich nach dem letzten Song zu mir selbst: “Du könntest hier jetzt auf der Stelle tot umfallen und wahrscheinlich wäre es dir egal.”
Einfach nur überragend…
Donnerstag, 17. Dezember 2009 um 01:07
Hi!
Ich war auch da und ich muss sagen du hast es genau auf den Punkt getroffen :-)
Leider hat bei uns oben auf dem 2. Rang die Aukustik etwas gelitten (ja, so ist das wenn man nurnoch die restkarten in einem “gut” organisierten kartenvorverkauf erwischt *g*) und das chaos am Eingang war sehr anstrengend mit meinen 1,60 m wär ich fast platt gedrückt worden. Aber die Show war trotzdem grandios, fast noch besser als 05 in Nürnberg :-)
LG Ilona
Freitag, 18. Dezember 2009 um 15:32
Vielen Dank für deinen Kommentar (:
Ich kann für meinen Teil nur sagen, dass die Akustik in der gefühlten 7. Reihe einfach nur umwerfend (im wahrsten Sinne des Wortes) war ;)