Das Web spottet

Sep 21, 2010   //   by n1Ls   //   Macht, Netzkram  //  4 Comments

So titelt zumindest derzeit der Stern in seiner aktuellen Online-Ausgabe. Gemeint sind die Reaktionen aus dem Netz (vorzugsweise Twitter) zur Thematik von Amokläufen meist mit Bezug auf die aktuelle Debatte um sogenannte Killerspiele. Sagt ja auch eigentlich kein vernünftig denkender Mensch, aber man weiß zumindest sofort was gemeint ist.

Eric Harris & Dylan Klebold (Columbine, USA 1999), Robert Steinhäuser (Erfurt, 2002), Pekka-Eric Auvinen (Tuusula, Finnland 2007). Das sind nur drei von vielen Beispielen aus der Geschichte der Amokläufe. Bewusst habe ich hier Ereignisse an Schulen herausgegriffen, denn vor allem bei diesen Namen bringt man die Szenarien wieder ganz schnell mit ihnen in Verbindung.

Wieso erinnert man sich beim Namen Robert Steinhäuser beispielsweise sofort an die Geschehnisse aus Erfurt? Nun ganz einfach. Es wird in den Medien einfach permanent rund um die Uhr publiziert. Ob morgens beim Frühstücken im Radio, Nachmittags beim surfen auf Newsseiten im Netz oder Abends beim Heute-Journal mit Claus Kleber. Spätestens aber am nächsten Morgen in der Zeitung und wenn man selbst keine abonniert hat, dann sieht man zumindest beim Bäcker oder sonst wo beim Einkaufen irgendwo die gefühlt zwei Meter große Überschrift der Bildzeitung. Daran hat sich in den letzten 10 Jahren wohl nichts geändert.

Was sich allerdings deutlich geändert bzw. gewandelt hat ist das Internet. Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter & Co. tragen dazu bei, dass die eigene Meinung mal ganz schnell von einem Millionenpublikum gelesen werden kann.

Im besagten Artikel wird kritisiert wie zynisch die Netzgemeinde auf die Ereignisse aus Lörrach reagiert. Dazu ein Beispiel:

Was hier angeprangert wird ist die Tatsache, dass die Täterin nicht ins Klischee eines jungen Einzelgängers passt, der seine Freizeit zu 97% vor dem heimischen PC verbringt und virtuelle Gegner um die Ecke bringt.

Nun muss man sich in diesem Kontext noch die Frage stellen wer denn Wolfgang Bosbach ist. Seines Zeichens CDU-Politiker und Vorsitzender des Innenausschusses im deutschen Bundestag. Er hatte sich nach dem Amoklauf in Winnenden ernsthaft für ein Verbot von Paintball eingesetzt…

Die Problematik ist aber eigentlich noch eine ganz andere. User Zyneasthesie behauptet die Täterin sei verheiratet, heterosexuell und katholischen Glaubens.
Zum Zeitpunkt des Tweets stand über ihren Familenstand, Glauben und sexuelle Neigungen noch nichts fest.
Nicht jeder geht mit solchen Informationen so sensibel um wie beispielsweise ein ausgebildeter Journalist und so wird es von der großen Masse auch vermutlich als Fakt wahrgenommen…

Quelle: www.stern.de

P.S.: Mich interessiert eure Meinung! Tragen solche Mitteilungen zur Unterhaltung bei oder sind sie einfach nur geschmacklos?


4 Comments

  • Ich find den Tweet super :D
    Zur Problemdiskussion selbst tragen sie nicht bei, aber das jedes mal aufs neue eine bescheuerte Diskussion überhaupt gestartet wird finde ich lächerlich. Und viele andere auch. Deshalb entstehen solche Tweets und Meinungen glaube ich.
    Irgendnen scheiß verbieten damit die breite Masse zufrieden gestellt ist obwohl das Problem selbst in keinster Weise vom Tisch ist.
    Ich finde selbst bei 3 Amokläufen pro Jahr (was viel ist?) denke ich mir dann: “3 von 82.000.000 sind psychisch gestört und eine Gefahr für die Umwelt…” Da gibts keine Ursachen zu suchen oder Diskussionen zu starten finde ich. Man kann einfach nicht davon ausgehen das jedes Individuum in einer Gesellschaft “perfekt” ist. Aber Sensationslust der Medien treibt das Thema halt dann doch jedes Mal wieder in die Politik. Und das lächerliche daran wird dann durch solche Tweets wie den oben zum Ausdruck gebracht. Und ich hab gelacht :D

  • Jau, Sumit hat natürlich recht.
    Der angebliche Zynismus ist eine Kritik an dem, was aus einem Amoklauf von Politik und Medien gemacht wird. Auch der besagte Stern-Artikel beweist wenig Fingerspitzengefühl und professionelle Zurückhaltung, wenn er selbst diesen Vorfall dazu nutzt, um sich selbst ob des tollen Professionalismus zu beweihräuchern, und gleichzeitig twitter einen Seitenhieb zu verpassen.

    Ist es Zynismus oder eine pointierte Zuspitzung, die den Aktionismus populistischer Popo-Politiker ins Herz trifft? – Ich glaube, der Tweet ist eigentlich ein Pamphlet, das an die Vernunft appelliert. Deshalb wurde dieser Tweet tausendfach rezitiert, und nicht etwa weil wir alle zynisch seien.

    Du selbst scheinst, keine Stellung zu beziehen. Wie ist deine Meinung? ;)

    • Ich wollte zur Abwechslung mal eine möglichst neutrale Position eingehen, um zu sehen wie sich das denn auf die Kommentare auswirkt.
      Daher bin ich erstmal froh hier (bis dato) sogar zwei etwas ausführliche Meinungen lesen.

      Prinzipiell gebe ich Sumit und dir recht. Der Autor im Stern hat sich der Thematik in meinen Augen auch nur halbherzig angenommen, schade eigentlich.

      Eigentlich verallgemeinere ich ungerne, aber diese Tweets (gespickt mit viel Zynismus) finde ich gut, denn sie Spiegeln Meinungen und Gedanken außerhalb des Mainstreams (BILD & Co.) wieder…

  • Kirsten Heisig stand auch mitten im Leben. Jedenfalls für fast alle in ihrem Umfeld, wenn ich mich nicht irre.
    Ich finde den Tweet auch super, selbst wenn er nicht hundertprozentig wahr sein sollte. Klar ist er zuspitzend – na und?

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Ich denke es ist der Suff. Oder der fehlende Suff. Es ist immer der Suff.


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