Fotografieren im 21. Jahrhundert

Feb 9, 2011   //   by n1Ls   //   Fotografie  //  1 Comment

Als passionierter Hobby-Fotograf gerate ich in letzter Zeit öfter in Rage als Uli Hoeneß auf der Jahreshauptversammlung.
Ganz so schlimm ist es vielleicht nicht, aber ich bekomme alles andere als gute Laune, wenn ich in letzter Zeit vermehrt lese, dass Fotografen ins Visier der Polizei geraten, als terrorverdächtig gelten oder direkt verhaftet werden, weil sie öffentliche (!) Gebäude oder ähnliches fotografieren.

Referenzen finde ich gerade leider nur bei gulli.com wieder, aber da war noch mehr, bin ich mir sicher.

Terrorverdächtig wegen Wasserspeicher-Fotos – Kurze Zusammenfassung:

Der US-amerikanische Amateur Fotograf Ed Heil fotografierte vor einigen Wochen die Wasserspeicher seiner Heimatstadt Kentwood. Ein Mitarbeiter der öffentlichen Versorgungsbetriebe beobachtete ihn dabei und hatte die Vermutung, Heil plane einen terroristischen Anschlag auf die 50.000-Einwohner-Stadt. Er verfolgte ihn und fragte ihn nach seinem Namen. Der Bürgermeister lobte sein Engagement.

Fazit: Der Beschäftigte, der den Stein ins Rollen brachte, meldete den Fall neben dem Stadtoberhaupt noch dem Department of Homeland Security, der US-Behörde für die innere Sicherheit. Nun muss Ed Heil fürchten, auf die Liste aller US-amerikanischen Terrorverdächtigen gesetzt zu werden. Wäre das den Fall, dürfte er nicht mehr ohne Weiteres die Sicherheitskontrollen an Flughäfen passieren.
Und als wäre das nicht schon Bullshit genug, sind die Bider der Wassertanks mittlerweile dennoch auf der Seite Heils zu finden. Zur Verwunderung aller Beobachter sind einige Aufnahmen des Wassertanks jedoch auch seit Jahren auch auf der stadteigenen Webseite zu finden…

Verhaftung wegen Fotos von Zügen – Kurze Zusammenfassung:

Zwei Mitarbeiter vom „Railfan & Railroad Magazine“ wurden durchsucht und von insgesamt fünf Polizisten in Handschellen abgeführt, weil sie Fotos von historischen Museumszügen machten. Die Sache kam erst jetzt ans Tageslicht. Ein Anwalt hatte ihnen geraten, mit der Veröffentlichung der Story sicherheitshalber vier Monate zu warten. Doch so wehrlos wie vermutet sind die beiden Redakteure nicht.

Fazit: Als Reaktion auf die Verfahrensweise der örtlichen Polizei wurde eine Schadensanzeige aufgegeben. Leider sind fulminante Schadenssummen in den USA nichts Außergewöhnliches. Es erscheint dennoch fraglich, ob 20 Minuten Freiheitsentzug tatsächlich mit 50.000 US-Dollar bewertet werden sollten. Die Mitarbeiter vom „Railfan & Railroad Magazine“ wollen es zumindest vor Gericht darauf ankommen lassen. Leider ist dies eine ebenso schlechte Werbung für die Zeitschrift wie die Aktion der örtlichen Polizei.

Textquellen:
http://www.gulli.com/news/new-yorker-polizei-verhaftung…
http://www.gulli.com/news/terrorverd-chtig-wegen-wasserspeicher-fotos…

Mir persönlich fehlen einfach die Worte und wenn es mit der Politik in unserem Land so weiter bzw. bergab geht haben wir in Deutschland demnächst ähnliche Verhältnisse, wenn wir die nicht sogar teilweise schon haben.
Dank Medien & Co. ist die Bevölkerung weitestgehend so dermaßen in Angst vor (fiktivem?) Terror, dass man als bärtiger Fotograf umgehend verhaftet und am besten der Industriespionage beschuldigt wird.
Gute Nacht.


1 Comment

  • Es sieht jeder weg, wenn ein Fahrrad am Straßenrand geknackt und mitgenommen wird aber es wird ein Fass aufgemacht, wenn Fotos von sowas harmlosen geschossen werden? Lächerlich. Punkt.

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