Die Deutsche Bahn und Ich
Wenn man so wie ich die deutsche Bundesbahn pro Jahrzehnt weniger in Anspruch nimmt, als Michael Schuhmacher seinen Wohnsitz in Deutschland, dann kann das hier und da schon mal zu Problemen führen.
Die Planung war solide, warum sollte das auch nicht funktionieren? Mit dem Bus zum nächst größeren Bahnhof fahren und von dort direkt mit dem ICE nach Bremen. Dort etwas Equipment und ein PKW abholen und mit selbigen wieder die Heimreise antreten. Soweit so gut.
Montagmorgen pünktlicher als die Bahn selbst gewesen, in besagten Bus gestiegen und zum Bahnhof Kassel Wilhelmshöhe gefahren. Auch hier pünktlich angekommen und so wartete ich an Gleis Drölf Drei auf den Zug. Wenige Minuten später hielt dann auch einer direkt vor meinen Augen, allerdings war die Zugnummer auf der schicken LED-Anzeige am Wagonäußeren nicht kongruent mit der auf meinem Ticket. Ich war verunsichert, denn die Uhrzeit als auch das Gleis passten ja – wie sich später herausstellen sollte auch der Zug selbst.

Ich wartete weiterhin brav an Gleis Drei, jedoch kam mir das Ganze immer seltsamer vor und ich fragte den Typen neben mir, ob er auch auf dem Weg nach Bremen sei. Vom Typ her übrigens eher so der Hippie-Student mit Fokus auf dem naturwissenschaftlichen Bereich, da war ich mir sicher. Nach kurzem Smalltalk machte er sich auf den Weg zum Infopoint während ich versuchte telefonisch die Auskunft der Bahn zu erreichen. Bevor ich da jemanden in der Leitung hatte war er auch schon wieder zurück:
Student: Der Typ oben meint dein Zug wäre planmäßig abgefahren.
Ich: Ja wie?! Aber die Zugnummer…
Student: War wohl ein zweigeteilter Zug, der vordere Abteil vor dem du standest ist nach sonst wo gefahren, aber der hintere planmäßig nach Bremen.
Ich: Woher soll das denn jemand wissen, der weniger Zug fährt, als Inselbewohner auf Helgoland.
Student: Zeig mal dein Ticket her, ist das denn Zuggebunden? (…) Offensichtlich nicht. Fahr mit meinem Zug nach Hannover und steig da nach Bremen um, das sollte klappen.
Ich: Klingt nach einem super Plan, Hannibal.
Ich mich also in den nächsten Zug Richtung Hannover gesetzt während keine 20 Minuten später der Schaffner meine Fahrkarte sehen wollte:
Schaffner: Ja das ist Quatsch.
Ich: Wie das ist Quatsch?!
Schaffner: Schauen Sie sich das Ticket doch mal an, Sie sitzen ja im komplett falschen Zug.
Ich: Ja das weiß ich auch, aber der Kollege hier vor mir meinte, dass das Ticket ja nicht Zuggebunden ist.
Schaffner: Ist es aber, da müssen sie jetzt im Normalfall umbuchen!
Ich: Und in meinem Fall?
Schaffner: Da kann ich für heute mal eine gute Tat verbringen. (…) Aber in Hannover steigen sie dann sofort aus!
Natürlich bin ich dann auch in Hannover direkt ausgestiegen und habe mich am nächsten Service Point um Auskunft bemüht. Dem Dude nochmal die komplette Story in Kurzfassung gegeben, worauf er erwiderte, dass ich normalerweise ohne den richtigen Zug nicht mal bis Hannover hätte kommen können. Dann hat er mir die nächsten Zugverbindungen zum Hauptbahnhof Bremen ausgedruckt, sogar relativ zeitnahe. Einmal ICE und einmal Regional Express. Ich fragte natürlich in welchem Zug die Wahrscheinlichkeit höher ist nicht rausgeschmissen zu werden. Hängt wohl von der Kulanz ab, dass kann mir in beiden Zügen passieren, meinte er.
Da der Regional Express schon am Gleis war habe ich es erstmal bei dem versucht. Davor standen ein Schaffner und eine Stewardess weibliche Reisebegleitung oder wie man die halt nennt:
Ich: Entschuldigung, kann mir hier jemand weiterhelfen?
Stewardess: Kommt drauf an, worum geht es denn?
Ich: (Erneut die bisherige Story in Kurzfassung erzählt.)
Stewardess: Also normalerweise hätten Sie nicht mal bis Hannover kommen können.
Ich: Höre ich nicht zum ersten Mal. Könnte ich denn bei Ihnen mitfahren, oder sollte ich den ICE nehmen, dafür habe ich ja quasi auch gebucht?
Stewardess: Sie müssten im Normalfall bei beiden nachzahlen.
Ich: Und in meinem Fall?
Stewardess: Steigen Sie bei uns ein und wir reden nicht weiter drüber…
Ich war über die erneute Kulanz mehr als erstaunt und auch wenn ich mein Ziel auf Grund eigener Verplantheit eine Stunde später als geplant erreichte war ich doch sehr zufrieden. Nicht nur mit mir selbst, sondern auch mit dem unerwarteten Service. Der einzige Nachteil im Regional Express waren die Jugendlichen, die offensichtlich weder gute Erziehung noch soziale Kompetenzen vermittelt bekommen haben. Zur abschließenden Erheiterung hier noch ein paar Zitate:
„HALT DIE FRESSE DU HURENSOHN!!“
„Ich bin nicht mit dir verwandt du Opfer!“
„Gestern hab’ ich deine mutter gefickt.“
„Ich bin Ghetto… dies das und so. “
So fünf Minuten lang war das auch mal ganz witzig, habe es dann aber nicht mehr ausgehalten und entspannt Musik gehört.
Den Auftrag in Bremen dann problemlos durchgezogen und mit einem Auto entspannt zurückgefahren…
2 Comments
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Vor einem Jahr
- 18.05.2011 Kein Beitrag :(
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- "Nun das sich der Vorhang der Nacht von der Bühne hebt, kann das Spiel beginnen, das uns vom Drama einer Kultur berichtet." » 2 days ago
- RT @janboehm: Mal Manfred Krug fragen, ob ich Facebook-Aktien zeichnen soll. » 2 days ago
Zufallszitat
Life is what happens to you while you’re busy making other plans.
John Lennon
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Coole Story bro.
Aber du hättest einfach Gleis Neundreiviertel nehmen müssen … dumbass!!!
Ich wollte doch nicht nach Hogwarts Oo